Das digitale Desaster


Was ist damit gemeint? Damit ist die Problematik gemeint, die entsteht, wenn Daten mehr und mehr nur noch digital vorliegen. Man könnte jetzt sagen "Digital ist doch gut. Meine Beatles CD hält bestimmt länger als meine Schallplatte, hat eine bessere Qualität und ist weniger empfindlich." Das mag ja schon sein, aber was ist in 20 Jahren, wenn ein neues Speichermedium existiert, es keine CD-Player mehr gibt und der eigene kaputt gegangen ist? Oder in 500 Jahren, wenn das Wissen um die CD ganz verloren ist? Einer Schallplatte sieht man es noch an, wie sie funktioniert und man wäre in der Lage ein Abspielgerät nachzubauen. Aber bei einer CD? Die Daten liegen da nur in der Form von einsen und nullen vor. Wenn ich deren Bedeutung nicht kenne, kann ich auch mit einem Lesegerät nichts anfangen.

Ausführlicher Artikel zum Thema: Oliver Abraham: Das Digitale Desaster [1].

Und es ist nicht nur das Wissen um die Lesegeräte, welches problematisch ist, es ist auch, wie schon gesagt, das Wissen um das Format und die dazu nötigen Programme, um die Daten zu interpretieren. Mein Vater arbeitet beim Staatsbauamt in Kassel. Dort haben sie in den letzten Jahren auf ein neues CAD-Programm umgestellt. Damit die alten Zeichnungen nun nicht verloren sind, war es nötig alle alten Zeichnungen in das neue Format zu konvertieren. Was natürlich Zeit, Arbeit und vor allem Kosten verursacht hat. Diese Arbeit war aber nötig, damit die Zeichnungen für die Zukunft nicht verloren sind. Und mit der Zeit wird diese Arbeit nicht weniger, sondern immer mehr. Und irgendwann wird der Punkt erreicht sein, wo ein konvertieren und kopieren auf ein neues Medium einfach nicht mehr zu bewälltigen ist. Was dann?

Und gerade habe ich selber erfahren müssen, was es bedeutet Daten nicht mehr lesen zu können. Meine Freundin hat früher solche LS-Disketten benutzt. Bevor CD-ROM Laufwerke und Brenner aufkamen, waren sie recht gebräuchlich, um größere Daten zu Speicher. Jetzt ist ihr Laufwerk kaputt gegangen, was zur Folge hat, dass sie die Daten auf der Diskette nicht mehr lesen kann. Sie hat mich dann gebeten, mich mal nach einen entsprechenden Laufwerk umzugucken. Da sie nicht mehr hergestellt werden, ist das gar nicht so einfach. Selbst bei ebay ist es nicht so einfach noch ein entsprechendes Laufwerk zu bekommen. Hätte man früher daran gedacht, die Daten auf ein aktuelles Speichermedium zu kopieren, hätte man das Problem umgehen können. Nur wer denkt schon daran? Und wer rechnet damit, dass es so schnell gehen kann? Und mit den Medien, mit denen man als normaler Mensch, der nicht in der IT-Branche tätig ist, zu tun hat, tritt das Problem erst gar nicht auf. Mein Fotoalbum aus meiner Kindheit von vor 30 Jahren kann ich mir immer noch angucken. Oder eine Bibel von 1500 kann ich immer noch lesen. Gut sie zerfällt schon langam, aber die Informatinen sind noch da. Eine CD soll maximal 50 Jahre halten, das Wissen die Informatienen auf ihr lesen zu können hält wahrscheinlich nur 20 Jahre. Und wie sieht es mit ihren Videokassetten aus, mit ihren Super-8 Filmen, mit ihren Dias, mit ihren Mussikkasseten, ...?

Wenn wir für zukünftige Generationen kein schwarzes Loch hinterlassen wollen, ist es höchste Zeit sich etwas einfallen zu lassen. Und die Problematik ist nicht zu unterschätzen.

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DigitaleDesaster.pdf Wednesday, 29-Dec-2010 23:45:20 CET 84K

Links

[1] http://www.oliver-abraham.de/Internet/DasDigitaleDesaster.htm


2010-12-29T23:44:41 +0100, mail+homepage[at]michael-puff.de